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Was sind eigentlich Leisten?

von Nicole Arnold

Während Brandsohle, Laufsohle, Schaft und Absatz die optisch sichtbaren Bestandteile eines Schuhwerks darstellen, ist der Leisten das eigentliche Formstück, um das der Schuh praktisch aufgebaut wird. Der Leisten bildet das wichtige Fundament und ist für Größe, Passform, Tragekomfort und Schuhform ausschlaggebend. Klassische Schuhleisten und solche für die Maßanfertigung sind aus wertigem Holz gefertigt. In der industriellen Fertigung werden meist Kunststoffleisten verwendet, die jedoch auch ein Holzmodell als Grundlage haben. Metall kann ebenfalls ein Material für Leisten sein.

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Leisten als dreidimensionale Fuß- und Schuhform

Leisten bezeichnet ein hölzernes Formstück in dreidimensionaler Form, das den menschlichen Fuß vereinfacht darstellt. Er ist sowohl die Grundlage für die industrielle wie auch die Maßanfertigung von Schuhen, wobei sich hier allerdings Unterschiede bei der Leistenherstellung zeigen.

Die Leistenanfertigung ist immer der erste Schritt zu Schuhherstellung. Unter dem fertigen Leisten wird zunächst die Innensohle/Brandsohle angebracht, bevor der Schaft aus dem Obermaterial über den Leisten gezogen und mit der Innensohle verbunden wird. Zum Schluss folgen Laufsohle und Absatz. Der Leisten hat nun seine wichtigen Aufgaben erfüllt und kann herausgenommen werden.

Der oder die Leisten prägen die Form des Schuhs. Anhand von Maßen und speziellen Ausarbeitungen in der Holzform kann der Fuß authentisch und mit seinen Besonderheiten oder aber standardisiert (für die industrielle Fertigung) abgebildet sein. Die Form der Schuhspitze wie auch die Absatzhöhe werden durch die Leistenform festgelegt. Leisten lassen sich grundsätzlich mehrfach verwenden. Bei Leistenformen aus Maßanfertigungen ist eine erneute Verwendung für einen anderen Maßschuh von den noch vorhandenen Bearbeitungsmöglichkeiten abhängig.

Eine Unterscheidung bei der Art von Leisten erfolgt in:

  • Leisten für die Massenproduktion von Schuhen
  • Leisten für die serielle (Maßanfertigung) von Schuhen
  • Leisten für Konfektionsschuhe
  • Leisten für orthopädische Schuhe

Über die geschichtliche Entwicklung der Leisten

Schon die alten Römer nutzten Holzleisten, um ihre Schuhe in die richtige Form zu bringen, wie antike Funde beweisen. Allerdings verliert sich die Leistenspur bis in das Mittelalter, wo der Leistenbau wieder an Bedeutung gewann. Auch die Konstruktionsart der Leisten hat sich im Laufe der Zeitgeschichte immer wieder verändert. Römer und Griechen aus der Antike fertigten für jeweils den rechten und linken Fuß pass- und maßgenaue Leisten an, während in der Neuzeit nur noch die ermittelten Maße für die Leistenfertigung übertragen wurden. Im 19. Jahrhundert rückte die Passform zunehmend in den Fokus und führte zur Anfertigung von asymmetrischen Leisten, die den Tragekomfort deutlich erhöhten. Heute sieht man beides: die mehr oder weniger sich an Standard-Größen orientierte Leistenherstellung für die industrielle, gleichartige Schuhproduktion oder aber die anatomisch korrekte Abbildung der beiden Füße auf den Leisten in der Maßanfertigung.

Holz als traditionelles Leistenmaterial

Buchenholz, besonders das von Rot- oder Hainbuche, ist das Holz der ersten Wahl für exzellente Leisten und vor allem in der Maßanfertigung von Herrenschuhen auch das meistverwendete Holz. Diese Buchenholzsorten zeigen sich robust und widerstandsfähig im Hinblick auf die vielseitige Bearbeitung, Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, unterschiedliche Lagermöglichkeiten. Als weitere geeignete Hölzer für die Leistenherstellung kommen Ahorn, Eiche, Ulme und Walnuss in Frage.

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Maßanfertigung von Leisten

Die Maßanfertigung von Leisten, die Abmessungen, Fußform und Fußbesonderheiten wiedergeben, ist die Königsdisziplin der Leistenerstellung. Sie ermöglicht die Anfertigung von Schuhen, die sich den Füßen des Trägers perfekt anpassen und damit einen großen Unterschied zu Schuhen aus der Massenproduktion bieten. Daher hat die Maßanfertigung von Schuhen auch ihren gerechtfertigten, höheren Preis. Berücksichtigt werden neben Ballen-, Fersen- und Ristmaß auch die Abrollbewegung des Fußes, Fußanomalien oder genetische, krankheits- und altersbedingte Veränderungen. Zudem können Komfortmerkmale über die Leistenform eingebaut werden. Wünsche an die Optik der Schuhform sind ebenfalls individuell zu erfüllen. Bei der Maßanfertigung von Schuhen empfehlen die versierten Schuhmacher ihren Kunden zur idealen Leistenherstellung alte und getragene Schuhe mitzubringen, und zwar sowohl die mit Liebe und viel getragenen als auch die eher unbequemen und schlechten Schuhe. Aus beiden Exemplaren lassen sich wertvolle Informationen für die optimale, neue Leistenform gewinnen.

Die Leistenherstellung klassisch und modern

Viele denken bei Maßanfertigung und Leistenherstellung an den traditionellen Schuhmacher oder Schuster. Bevor die industrielle Schuhfertigung begonnen hat, gab es allerdings den eigenständigen Beruf des „Leistenschneiders“. Dieser besaß alle erforderlichen Fähigkeiten und Werkzeuge, um aus einem Holzklotz eine fußgerechte Schuhform zu erstellen. Die altehrwürdigen Schuster waren entweder selbst zusätzlich in diesem Handwerk ausgebildet oder arbeiteten mit den Leistenschneidern zusammen. Der Beruf des Leistenschneiders existiert heute jedoch nicht mehr und wurde in den des Schuhmachers integriert. Spezialisierte Leistenhersteller arbeiten sowohl für das klassische Schuhmacherhandwerk wie auch für die industrielle Produktion und mit Maschinen, die Präzisionsarbeiten durchführen können. Der historische Leistenschneider oder Leistenbauer fertigte seine Leisten noch komplett von Hand mit Säge, Hobel, Feile, Schnitzwerkzeug.

Die Basis für Leisten bilden qualitative Holzstämme, aus denen mehrere, ca. 30 cm lange Stücke gesägt werden. Die Holzstücke werden dann bei 120 Grad gedämpft und trocknen bis zu zwei Jahren, um den Feuchtigkeitsgehalt auf etwa 16 Prozent zu senken. In Trockenkammern mit heißer Luft erfolgt eine weitere Feuchtigkeitsreduzierung auf bis zu 10 Prozent. Aus den so behandelten Holzklötzen können die Leisten gefertigt werden. Das geschieht entweder in traditioneller Handarbeit oder wird von spezialisierten Leistenbaumanufakturen, die Leisten für Maß- und Einzelanfertigungen sowie Serien- und Massenproduktion fertigen können, übernommen.

Zahlreiche Schuhmacher nutzen mittlerweile die innovativen Maschinenanlagen der Leistenhersteller für Maß- und Spezialanfertigungen. Die Leistenmanufakturen können Leisten als Maßanfertigungen mit verschiedenen Methoden erstellen. Zum Beispiel können sie eine Kopie von alten Leisten anfertigen und an dieser gewünschte Änderungen vornehmen. Zur Anfertigung von individuellen Leisten eignen sich ebenso die vom Schuhmacher abgenommene Trittspur des Kunden, Gipsmodelle vom Fuß oder Trittschaum. Auch die Fertigung nach 3D-Daten ist für die Spezialisten gängige Praxis.

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In der industriellen Schuhproduktion kommen meist Standardleisten zum Einsatz, die durch Einlagen weiter variiert werden können. Gerade für Standardleisten in großer Auflage hat sich die Kopiermaschine bewährt. Zur Auswahl stehen den Leistenherstellern hier zweidimensionale Leistenschablonen (Papier) für verschiedene Schuhmodelle und Größen, die mittels Kopiermaschine auf das Holz übertragen werden. Anschließend werden die Leisten ausgesägt. Nacharbeiten von Hand oder mit Präzisionsmaschinen perfektionieren das Leistenergebnis. In der Massenproduktion wird ein solches Leistenmodell aus Holz auch als Grundlage zur Herstellung der deutlich günstigeren Kunststoffleisten verwendet.

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