Traditionelle Strohschuhe aus dem Schwarzwald

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Wer das Besondere und Außergewöhnliche in Sachen Schuhen sucht, der wird mit den Strohschuhen, die traditionell und ausschließlich von Hand im Schwarzwald gefertigt werden, fündig. Der „Strohschuhmacher“ ist eine vom Aussterben bedrohte Zunft und doch ist sie wieder gefragt wie nie. Denn nicht nur Kuckucksuhren und Schwarzwälder Kirschtorte sind in aller Herren Länder beliebt, auch die urigen „Hexenschuhe“ bzw. „Narrenschuhe“ erfreuen sich im In- und Ausland großer Beliebtheit, besonders als neuentdeckte Hausschuhe. Stroh ist bekannt für seine wärmenden Eigenschaften, dazu sind die Schuhe auch noch robust und widerstandsfähig. Echte handgefertigte Strohschuhe bestechen durch eine exzellente Verarbeitung und besitzen ein zusätzlich wärmendes Futter.

Optik des Strohschuhs

Der Strohschuh ist ein leichter Halbschuh ohne Verschluss und zum Reinschlüpfen. Der Fuß wird vollkommen umschlossen. Der eigentliche Schuh besteht aus einem Strohgeflecht, wobei Mais- oder Roggenstroh zum Einsatz kommen.

Der Einschlupfbereich wird mit einem unifarbenen oder traditionell gemusterten Stoffband eingefasst. Die Modelle sind zusätzlich mit einem warmen/wattierten Futterstoff ausgeschlagen. Damit der Strohschuh einen guten Auftritt bietet, erhält er eine Sohle aus Leder oder Gummi. Je nach Modell ist auch ein flacher Absatz vorhanden.

Wissenswertes über das Handwerk des Strohschuhmachers

In früheren Zeiten nutzen die Bauern die kalten, ungemütlichen Wintermonate, um aus Naturmaterialien und Vorräten verschiedenster Art nützliche und schöne Dinge für den Alltagsgebrauch anzufertigen. Diese wurden auch auf Märkten verkauft, was die knappe Haushaltskasse deutlich aufbesserte. Besonders guten Absatz fanden die kuscheligen Strohschuhe, weshalb sich dieses Handwerk bis heute im Schwarzwald gehalten hat.

Begeisterte Strohschuh-Träger bestätigen, dass kein industriell gefertigter Hausschuh, ganz gleich, aus welchen Materialien er gefertigt ist, die Füße so angenehm warm hält wie ein Schuh aus Stroh. Auch, wenn das Herstellen von Strohschuhen kein zu erlernendes Handwerk ist, so braucht es Zeit, Muße, Fingerfertigkeit und Übung, um die praktischen Hausschuhe, die auch von den Narrenzünften der alemannischen Fastnacht und Freizeithexen gerne getragen werden, zu produzieren. Für einen Schuh benötigt ein versierter Strohschuhmacher etwa vier Stunden.

Hinzukommt, dass es nicht nur den einen Strohschuh gibt, sondern verschiedene Arten, die auf der individuellen Machart des jeweiligen Strohschuhmachers beruhen. Unterschiede zeigen sich z.B. in der verwendeten Strohart und der Vernähungsart, dem Härtegrad des Strohgeflechts, der Besohlung bzw. dem Sohlenmaterial, der Form (eng, weit, normal), Art und Farbe/Muster des Stoffeinbandes/Futters.

Waren es früher bevorzugt die männlichen „Strohschuhmacher“ so flechten heute auch viele Frauen gerne den einzigartigen Hausschuh. Die Damen haben es meist von ihren Eltern oder Großeltern gelernt oder üben sich in der speziellen Herstellung als Neulinge. Oftmals sind sie in Heimatvereinen im Schwarzwald organisiert. Diese Kunstwerke sind dank Internet und Online-Shopping auch für alle, die nicht im schönen Schwarzwald beheimatet sind, erhältlich. Zahlreiche Anbieter für die originalen handgearbeiteten Exemplare bieten einen Online-Bestellservice.

Die Herstellung von Strohschuhen im Überblick

Das Grundmaterial für Strohschuhe kann Maisstroh oder Roggenstroh sein. Beide Sorten unterscheiden sich in der Geflechtstruktur und Dicke sowie hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit gegen Nässe. Auch die Verarbeitung gestaltet sich je nach Strohart einfacher oder komplexer.

Die Fasern von Maisstroh sind dick und kurz, was im Flechtergebnis eine grobe Struktur ergibt. Dieses Material bietet einen besseren Schutz vor Nässe als Roggenstroh, das feiner und länger ist, was zu einer feineren Flechtstruktur führt. Da beide Stroharten aufwendig zu verarbeiten sind, wird von einigen Herstellern heute auch gerne der wesentlich flexiblere Bast verwendet. Damit lassen sich sehr geschmeidige, komfortable und widerstandsfähige Strohschuhe mit feiner Struktur herstellen. Das Flechten des Basts dauert allerdings wesentlich länger als mit Mais- oder Roggenstroh.

Der Träger kann nach seinen eigenen Prioritäten entscheiden: Lieber absolut original und dafür etwas härter oder in Abwandlung mit Bast und dafür am Fuß weicher und angenehmer. Die Schritte der Strohschuhherstellung werden hier anhand der traditionellen Materialien erklärt.

Zunächst muss das ausgewählte Stroh mehrere Stunden in Wasser eingeweicht werden, damit die Fasern weich und biegsam werden. Dann wird aus den Halmen ein langer, fester Strang geflochten. Ein Schuh benötigt etwa einen Meter Strohgeflecht.

Der Holzleisten bildet die Basis für die Schuhform. Hier verwenden die Strohschuhmacher Leisten in unterschiedlichen Größen, um entsprechende Schuhgrößen zu fertigen. Um den Holzleisten wird als unterste Schicht der wärmende Stoff gelegt, der das mollige Futter abbildet. Als nächstes wird der geflochtene Strang um den Leisten mit dem Futterstoff gelegt und mit Hanfgarn aneinandergenäht. Ein Ausschnitt für den Einschlupf bleibt frei. Dabei muss gleichzeitig durch geschickte Fadenführung das Futter mit angenäht werden. Anschließend wird die Leistenform herausgezogen, überschüssiges Futter abgeschnitten und der Ausschnitt zum Reinschlüpfen mit einem farbigen Stoffband eingefasst.

Im letzten Schritt bekommt der Strohschuh eine Laufsohle aus Leder oder Gummi, die aufgeklebt oder angenäht sein kann. Die Leder- oder Gummisohle wird extra weit hochgezogen, um das Eindringen von Nässe zu vermeiden, so dass der Strohschuh als Hausschuh oder Straßenschuh tragbar ist. Insbesondere die Anhänger der alemannischen Fastnacht bevorzugen eine Gummisohle mit kleinem Absatz. Je nach Region erhält der fertige Schuh noch einen Zierbommel.

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