Von Schuhvorbildern und ganz besonderen Schuh-Leidenschaften

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Warum Schuhe oft mehr sind, als nur schickes oder funktionales Fußwerk? Im Rahmen der kuriosen Schuhgeschichten hole ich heute einmal ganz weit aus. Ich habe mich selbst gefragt, wie Schuhe mein Leben beeinflusst haben, welche Modelle mich von Kindesbeinen an faszinieren und was genau dahinter steckt. Ich nenne das Phänomen einfach mal „Schuhvorbilder“ und die begegnen einem immer wieder.

Die Schuhe meiner Kindergärtnerin

Im zarten Alter von vier Jahren hatte ich meine erste, prägende Begegnung mit Schuhen. Der Kindergarten lag nur einige Gehminuten von meinem Elternhaus entfernt und die Kindergärtnerin wohnte ebenfalls nur einige Straßen weiter. Sie holte mich jeden Morgen von zuhause ab und wir gingen gemeinsam zum Kindergarten. Man schrieb das Jahr 1975 und Plateauschuhe waren schwer in Mode. Meine Kindergärtnerin trug mit Vorliebe Plateauschuhe und ein Paar faszinierte mich unendlich. Es waren markante Halbschuhe mit mittelhohem Absatz und einer megadicken Plateausohle, der Schuh wirkte bullig. Der Fußweg zum Kindergarten war mit rautenförmigen Pflastereinen ausgelegt und ich schaute meiner Kindergärtnerin permanent nur auf die Füße, um darauf zu achten, ob sie beim Gehen mit der Schuhspitze nun genau in das Pflastermuster traf. Ja, es hört sich kurios an, aber ich bekam mehr als einmal zu hören: „Nicole, schau nach vorne und nicht nach unten, sonst liegst Du bald auf der Nase“. Die meiste Zeit ging ich nämlich mit nach unten gebeugtem Kopf neben der Kindergärtnerin her, weil dieses „Spiel“ mich in den Bann zog. Natürlich wollte ich irgendwann auch solche Schuhe, aber ein identisches Paar habe ich bis heute nicht gefunden. Es waren wirklich einzigartige Plateauschuhe.

Welchen Einfluss haben Vorbilder auf die Wahl der SchuheDie Schuhe meiner Grundschullehrerin

Vom ersten bis zum vierten Schuljahr hatten wir eine Grundschullehrerin, die uns in den meisten Fächern unterrichtete und eigentlich unsere Stammlehrerin war. Sie trug besonders gerne eine Kombination aus braunem Cordrock, braunem knielangen Cordmantel, passender Cordtasche und hellbraunen Stiefeln mit hohem Absatz. Wir Mädchen waren von diesem Outfit mächtig begeistert und rissen uns förmlich darum, morgens die Tasche der Lehrerin in die Klasse zu tragen. Doch besonders hatten es mir die Stiefel angetan, die schon einen natürlichen Antik-Look besaßen, weil sie wohl auch die Lieblingsstiefel meiner Lehrerin waren. Meine Mutter kaufte sich eines Tages ähnliche Stiefel, aber die durfte ich leider nicht zum Spielen tragen. Mehr als einmal schlich ich mich ins Schlafzimmer, um heimlich diese tollen Stiefel aus dem Schrank zu stibitzen, wurde aber jedes Mal auf frischer Tat ertappt. Im Teenie-Alter dann kaufte ich mir selbst die tollen Lehrerinnenstiefel und diese hatte ich bis dato vielleicht vier- oder fünfmal an, weil ich

  • a) nicht der Typ für diese Stiefel bin und sie
  • b) für mich nicht wirklich bequem sind.

Hergeben will ich sie aber auf gar keinen Fall, weil sie meine Erinnerung an diese Zeit mit all ihren rosaroten Mädchenträumen wachhalten.

Diese Stiefel sind das beste Beispiel für Schuhe, die man unbedingt haben will, weil sie einem an anderen supertoll gefallen, aber den eigenen Stil dann nicht wirklich treffen. Manchmal ist eben allein der Besitz schon ausreichend und dieses wohlige Gefühl, das sich dabei einstellt. Daran ist auch nichts Verwerfliches und erklärt ein Stück weit auch, warum einige Frauen mehr Schuhe im Schrank haben, als sie eigentlich wirklich tragen. Denken wir nur an die Manolos – Schuhvorbild Jessica Parker hat Millionen Frauen in einen wahren Manolo-Schuhrausch versetzt. Doch wer von all den Frauen trägt die High-Heels auch wirklich und wer schwelgt in erster Linie in rauschender Bewunderung? Es sind Trophäen einer assoziierten Leidenschaft, bei der es in erster Linie darum geht, die Schuhe zu besitzen, um sich das ganz besondere Lebensgefühl von Sex and the City zu gönnen. Allerdings hat das allein noch nichts mit Schuhfetisch oder Schuhtick zu tun, es sei denn, Frau hortet 100 Paar solcher Besitzschuhe im Schuhschrank.

Schuhvorbild Mutter

Von meinem Patenkind (6 Jahre), ebenfalls ein Mädchen, kann ich berichten, dass sie sich bei ganz bestimmten Schuhen an ihrer Mutter orientiert. Diese trägt im Sommer gerne Flip Flops und die Kleine besitzt mittlerweile mehr Paar dieser Zehentrenner als ihre Mama. Und das in allen erdenklichen Farben, mit Glitzer und Glitter und sonstigen Verzierungen. Erstaunlicherweise macht sie damit wirklich alles, sie springt und tobt, läuft und auch das Matschbeet ist ihr mit Flip Flops an den Füßen kein Fremdwort. Ich bin mal nur gespannt, ob diese besondere Schuhliebe ein ganzes Leben lang hält.

Ich habe im Mädchenalter am liebsten Clogs getragen. Diese urigen Clogs mit klobigem Holzabsatz, die so schön geklackert haben. Weiß, Schwarz, Bunt, später im Westernstyle mit Nieten. Damit konnte ich auch super um die Wette rennen und ich fand diese Schuhe immer herrlich bequem. Irgendwie habe ich dann komplett die Lust an Clogs verloren und mir auch keine mehr gekauft.

Schuhe besitzen und Schuhe tragen sind zwei Paar Schuhe

Ein Wortspiel, das den Nagel auf den Kopf trifft. So ein Frauen-Schuhleben ist ungeheuer abwechslungsreich. Schuhe kommen und gehen, einige Schuhmodelle bleiben für immer, auch, wenn man sie nicht einmal trägt. Diese Schuhe stehen dann im Schrank oder schwirren irgendwie immer mit im Kopf rum, so wie diese Plateauschuhe, die ich bis heute nirgends gefunden habe.

Mein Schuhleben wurde bis dato von vielen Trends beeinflusst, eine lange Zeit war ich ein glühender Fan von Western- und Gauchostiefeln, von denen ich ein Lieblingspaar besaß, das nach seiner Laufzeit kaum mehr Materialsubstanz vorweisen konnte, so oft hatte ich die Schuhe an. Danach kamen Keilabsatzschuhe, die ich heute noch spannend finde, aber die Absatzhöhe hat sich deutlich verringert. Ich bevorzuge mittlerweile wirklich flache Damenschuhe, in denen ich mich bequem bewegen kann. Dazu gehören Textilballerinas mit witzigen Prints.

Wie meine Beispiele zeigen, erfüllen Schuhe nicht nur einen rein funktionalen oder modischen Zweck, sie können auch ein Symbol für bestimmte Ereignisse, Erinnerungen oder ein Lebensgefühl sein. Vielleicht kaufe ich mir doch wieder einmal Clogs und freue mich über das tolle Klackern bei jedem Schritt …

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