Barfuß durch den Sommer

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Unsere menschlichen Vorfahren waren hauptsächlich barfuß unterwegs, bis sie sich eines Tages aus Leder und Fell erste Schuhe zum Schutz vor Verletzungen und gegen Kälte gestalteten. Heute läuft der Mensch fast nur noch in Schuhen, barfußlaufen ist eher die Ausnahme und wenn, dann am ehesten im Sommer, wenn es angenehm warm ist und man in Schuhen ohnehin nur schwitzt wie verrückt. Kurioserweise hat der Mensch das Barfußlaufen schon fast verlernt, der direkte Fußkontakt mit verschiedenen Untergründen ist befremdlich, vor allem, wenn sie unwegsam und steinig oder holprig sind.

Barfußlaufen ist zweifelsohne gesund, aber es braucht Übung, z.B. auf der heimischen Wiese, am Strand, in Barfußparks oder auf Barfußpfaden, die in Wäldern und lauschigen Landschaften angelegt sind.

Im Alltag sollten wir viel öfter barfuß laufen, dazu müssen wir aber eine gewisse Scheu vor Verletzungen und ungewohnten Erfahrungen ablegen. Eine weitere Möglichkeit, sich dem Barfußlaufen auch mit Fußbekleidung anzunähern, sind Barfußschuhe. Wir tasten uns heran an und wollen wissen, warum es so gesund ist, barfuß durch den Sommer zu laufen und wo die Grenzen für unsere schuhverwöhnten Füße sind.

Vorteile des Barfußlaufens für den gesamten Körper

Verschiedene und voneinander unabhängige Studien konnten belegen, dass Hüft-, Knie- und Fußgelenke bei Läufern in Schuhen deutlich höher belastet wurden, als bei Barfußläufern. Hinzu kommt, dass viele Schuhe nicht passform- und größengerecht, sondern eher nach modischen Aspekten gekauft werden, was sich nachhaltig negativ auf Füße, Wirbelsäule, Haltung auswirken kann. Auch hohe Absätze, welche die natürliche Fußform für die Tragedauer in eine extreme Stellung bringen, sind der Gesundheit und dem Wohlbefinden langfristig eher abträglich, auch wenn sie sexy und chic anmuten.

Barfußlaufen wird oftmals mit Verletzungen assosziiert, viele denken, es ist gefährlich und schmerzhaft. Wie Experten herausgefunden haben, ist aber genau das Gegenteil der Fall, beim Barfußlaufen liegt das Risiko für Verletzungen deutlich geringer. Unter den Füßen sitzen die meisten Nervenbahnen. Untergründe werden von nackten Füßen viel sensibler wahrgenommen, entsprechend kann der Gang angepasst werden. Barfußlaufen entspricht auch der natürlichen Haltung des Menschen, das Gewicht wird optimal verteilt, die Gelenke ent- statt belastet.

Durch verschiedene Schuhformen, Absätze, Erhöhungen, Dämpfungs- und Federungsmechanismen wird das Empfinden der Füße für die Untergründe abgestumpft, gar überdeckt. Wir meinen wie auf Wolken zu gehen, wenn wir in Schuhen mit dicken Sohlen über einen steinigen Weg schreiten, in Wirklichkeit findet keine optimale Ausbalancierung des Körpers statt, weil die Hindernisse abgefedert werden. Das führt zu Verspannungen und Fehlhaltungen. Nur die wenigsten Schuhe sind perfekt auf den individuellen Fuß abgestimmt, was ein natürliches Abrollen verhindert, die Muskulatur verkümmert eher, als dass sie trainiert wird.

Regelmäßiges Bafußlaufen tut Körper und Seele gut und bietet eine Reihe von gesundheitlichen Vorteilen:

  • Bänder, Sehnen und Muskeln werden nachhaltig gekräftigt, Schäden durch Schuhe manifestieren sich nicht.
  • Die Fußnerven sensibilisieren sich wieder, barfußlaufen wird als angenehm und wohltuend empfunden. Kälte- und Wärmereize können besser wahrgenommen werden. Verletzungen reduzieren sich.
  • Der natürliche Gang und eine ideale, unverkrampfte Haltung werden gefördert.
  • Je nach Untergrund erfolgt eine leichte bis stärkere Massage, die den Fuß optimal durchblutet.
  • Für Kinder ideal, um die richtige Zehenstellung zu erhalten und orthopädische Probleme zu vermeiden.
  • Läufer laufen effektiver, die Belastung wird optimal auf Mittel- und Vorderfuß verteilt.
  • Barfußlaufen erdet, bringt der Natur und dem Boden nahe, nicht umsonst ist hier eine gute Bodenhaftung gegeben, die sich auch auf das Seelenleben und die innere Zufriedenheit auswirkt.
  • Alle Körperzonen werden trainiert – Bauch, Beine, Po, Rücken.
  • Es kommt Luft an die Füße, was ein schönes, gesundes Aussehen und ein verbessertes Nagelwachstum zur Folge hat.
  • Die Immunabwehr wird gestärkt.

Grenzen des Barfußlaufens – wenn echte Gefahren lauern

Unsere Vorfahren liefen über Stock, Steine, Feuer und Scherben. Da sie aber den ganzen Tag barfüßig unterwegs waren, hatte sich eine entsprechend dicke Hornhaut als Schutzschicht ausgebildet, die den schmerzhaften Tritt in spitze Steine, Scherben oder Brandglut etwas abmilderte. Die Füße des Menschen von heute zeigen sich makellos frei von Hornhaut und die Verletzungsgefahr ist entsprechend hoch bei spitzen Steinen und Co.

Im Winter bei Schnee und Eis ist Barfußlaufen ebenfalls keine gute Idee. Gut, vielleicht mal zwei Sekunden die nackten Füße in den Schnee halten oder einen Meter laufen – Mehr ist dann aber auch schon zu viel des Guten, weil die Füße je nach Außentemperatur schnell Erfrierungsschäden erleiden können. Kleine Kinder sollten nur unter Aufsicht Barfuß laufen.

Barfuß laufen lernen – z. B. im Barfußpark

Wir müssen erst wieder lernen, barfuß zu gehen, obwohl es sich kurios anhört. Das bedeutet, langsam anfangen und die Füße nicht überfordern. Zu Beginn ist es sinnvoll, die Schuhe im Sommer so oft es geht auszuziehen und zunächst auf weichen Untergründen wie Wiese, feiner Sandstrand barfuß über einen kurzen Zeitraum zu gehen. Denn sogar auf weichen Untergründen ist es für den ungeübten Fuß anstrengend barfuß zu laufen, weil Muskeln, Sehnen und Bänder ganz anders, intensiver und absolut natürlich beansprucht werden.

Um sich an vielseitige Untergründe heranzuwagen, bieten sich Barfußpfade oder Barfußparks an. Hier sind Parcours angelegt, die über Erde, Kies, Steine, Hölzer, Wasser, Brücken, durch Pflanzen führen und den Füßen ein relativ risikoarmes Training und Erlebnisgefühl bieten. Dabei kommt auch der Spaß für Groß und Klein nicht zu kurz.

In einem nächsten Schritt können leichtes Laufen oder Luftsprünge ohne Schuhe vorsichtig auf weichen Böden ausprobiert werden. Auch das Gehen auf Asphalt ist nach der Eingewöhnung möglich, erfordert jedoch wegen des glatten, harten Bodens schon eine gestärkte Muskulatur in Füßen und Beinen. Ein weiterer Schritt zeigt sich mit Gymnastik, Tanzen oder Sport, alles barfuß ausgeübt.

Je öfter, umso besser lautet die Devise beim Barfußlaufen, das nach dem Sommer auch im Winter beibehalten werden kann. Zwar nicht unbedingt bei Schnee und Eis draußen, denn sonst drohen Erfrierungen, aber in der Wohnung.

Barfußschuhe – eine Alternative oder Ergänzung zum Barfußlaufen?

Fakt ist: Nichts geht über Barfußlaufen. Dennoch sind Barfußschuhe gerade in der freien Natur und für aktive Menschen eine tolle Ergänzung. Sie bieten Schutz vor Verletzungen und Kälte, kommen aber durch ihre besonderen Merkmale und die Konstruktion dem Barfußlaufen sehr nahe.

Barfußschuhe besitzen eine extrem dünne und flexible Sohle, die das Tastgefühl zulässt und Fußnerven aktiviert und stimuliert. Sie passt sich dem Fuß des Trägers zudem perfekt an, ist nicht steif und starr. Der Schuh ist dadurch auch bedeutend leichter. Ein Absatz ist nicht vorhanden, so dass der Fuß in seiner absolut natürlichen Stellung bleibt. Man spricht hier auch von Nullabsatz (Nullsprengung).

Es gibt Barfußschuhe mit ausgearbeiteten Zehen (Five Fingers) und in runder Form, beide Ausführungen lassen den Zehen genügend Spielraum, um sich mitzubewegen. Das ist wichtig, um Deformationen, Blasen und Reibung zu verhindern. Das Material ist hochatmungsaktiv und verhindert, dass sich Feuchtigkeit staut.

Barfußschuhe sind in verschiedenen Modellen, vom Ballerina über die Sneaker-Form bis hin zum Slipper erhältlich, auch was Farben und hautfreundliche Materialien betrifft, ist die Auswahl groß. Barfußschuhe sind eine gute Einstiegshilfe und ideal für unwegsames Gelände, auf dem die Verletzungsgefahr mit nackten Füßen erhöht ist. Wer sie neben dem Barfußlaufen in seinen Alltag integriert, profitiert doppelt.

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