Lebensdauer, Entsorgung und Receycling von Schuhen

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Wie lange halten Schuhe? Schuhe gehören zu den Gebrauchsgütern, deren Lebenszeit von verschiedenen Faktoren abhängt. Irgendwann werden sie dann vom letzten Besitzer entsorgt und landen im Müll- bzw. Recyclingkreislauf. Wovon hängt die Schuh-Lebensdauer ab? Wie und wo werden Schuhe richtig entsorgt und wie funktioniert Schuh-Recycling? Fragen, über die wir uns meist weniger Gedanken machen, die jedoch im Prinzip essentiell sind, wenn es um Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht. Denn diese Dinge fangen zwar schon beim Kauf an, hören aber bei der Entsorgung noch lange nicht auf. Der Blog geht den Dingen genauer auf den Grund und zeigt auf, worauf schon beim Kauf zu achten ist, wie sich die Lebensdauer von Schuhen verlängern lässt, Entsorgung und Recycling aussehen.

Diese Faktoren entscheiden über die Langlebigkeit von Schuhen

Wie lange Schuhe uns durchs Leben tragen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die wir alle beeinflussen können.

Schuhqualität

Wer hat es nicht schon erlebt: Das Billigmodell oder auch der Markenschuh überlebt die ersten Tragewochen nicht, hier reißen Bänder, dort geht der Verschluss kaputt, die Laufsohle ist so ziemlich für alles durchlässig, die Passform zeigt sich mangelhaft und schmerzverursachend, die Schuhe lösen Hautirritationen aus oder färben bis zum geht nicht mehr ab. Klar, dass sie dann zu nichts mehr zu gebrauchen sind und entsorgt werden.

Früher gab es dieses überbordende Schuhangebot nicht und daher auch nicht so viel Schuhmüll. Ein Paar Schuhe konnte über viele Jahre, mitunter Jahrzehnte, getragen werden. Erst wenn sich der Schuh tatsächlich in seine Bestandteile auflöste, war sein Schicksal besiegelt. Schuhe waren weitaus teurer als heute und der Normalbürger konnte sich nur ein wertiges Paar im Jahr leisten.

Massenproduktion, niedrige Preise, gestiegene Designansprüche und Modevorlieben verringern die Langlebigkeit durch mäßige Qualität und Verarbeitung sowie ökologisch fragwürdige Materialien. Wer sich für hohe Qualität, funktionale gesunde Materialien und erstklassige Verarbeitung entscheidet, hat deutlich mehr von seinen Schuhen. Diese Vorteile bieten viele renommierten Marken, aber auch ein No-Name Schuh kann damit glänzen. Deshalb kommt der fundierten und gewissenhaften Schuhauswahl eine sehr große Bedeutung zu.

Umgang mit den Schuhen, Schuhpflege & Schuhhygiene

Wer lange Freude an seinen Schuhen haben will, der sollte auf einen pfleglichen Umgang mit ihnen achten. Pfleglich ist in diesem Sinne sogar doppeldeutig. Der falsche Einsatz von Schuhen, mangelnde Pflege und Schuhhygiene oder die Vernachlässigung von kleineren aber notwendigen Reparaturen verkürzen die Lebensdauer definitiv. Konkret lauten die richtigen Gegenmaßnahmen:

  • Schuhe entsprechend der Witterung, dem Untergrund, den Belastungsfaktoren und ihrem vornehmlichen Zweck einsetzen, denn sonst können sie Schaden erleiden, mitunter auch irreparabel.
  • Regelmäßige und bedarfsgerechte Reinigung: Schmutz, Staub, Feuchtigkeit wirken sich ungünstig auf Materialien aus, lassen sie poröse, stumpf, matt, fleckig werden, beeinflussen die Atmungsaktivität und spezielle Eigenschaften. Entsprechend der Materialien werden die Schuhe mit geeigneten Bürsten oder einem Tuch gereinigt. Schuhe, die ausschließlich aus textilem Material bestehen, können auch von Hand oder in der Waschmaschine gewaschen werden.
  • Kontinuierliche Pflege: Die Behandlung mit pflegenden Schuhcremes, Wachsen, Lotionen, etc. frischt die Materialien und Bestandteile auf, macht sie weich, geschmeidig, glättet kleinere Kratzer, gleicht Materialdefizite aus und schützt vor witterungsbedingten Einflüssen.
  • Schuhhygiene: Nicht wenige Schuhe werden aufgrund ihres „muffeligen“ Innenlebens entsorgt. Hier liegt die Schuld aber nicht unbedingt allein bei den Materialien, sondern den eigenen Fußeigenschaften. Denn Fußgeruch setzt sich in den Innensohlen aus Leder, textilen oder natürlichen Materialien fest, ohne Strümpfe verbreiten sich zudem gerne Bakterien durch Schweiß und Umwelteinflüsse. Dem lässt sich vorbeugen durch Einlegesohlen (auch für Sommerschuhe), welche die Innensohle sauber und hygienisch halten.
  • Abgelaufene Absätze, eine abgerissene Schnalle, Probleme beim Verschluss, aufgegangene Nähte oder Klebestellen, etc. gehören zu den normalen Verschleißerscheinungen. Reparable Beschädigungen sollten direkt behoben werden. Das kostet beim Fachmann nicht die Welt, macht die Schuhe aber wieder fit für einen weiteren Zeitraum. Wer hier zulange wartet, muss damit rechnen, dass sich der Zustand verschlechtert – je eher gehandelt wird, umso besser.

Übertriebener Schuh-Konsum

Ob hoher oder niedriger Preis – Mitunter nimmt der Schuhkauf Dimensionen an, die der Lebensdauer abträglich sind, weil der Kauf entweder den Zweck erfüllt, eine möglichst große Auswahl an modischen Schuhen zuhause zu haben oder, weil es sich um Fehlkäufe handelt, die ihren Weg in die Tonne finden, ohne dass die Schuhe überhaupt oder nur kurzzeitig getragen wurden. Die besten Schuhe hinsichtlich einer langen Lebensdauer sind die Lieblingsschuhe. Davon hat jeder etwa ein bis drei Paar. Die werden oftmals wirklich so lange getragen, bis nicht mehr viel von ihnen übrig ist.

Wieviel Schuhe braucht der Mensch und welche Modelaunen muss er mitmachen? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten, aber wenn schon Zuviel, dann sollten Optionen wie ein Verkauf, das Verschenken oder Spenden der überzähligen oder unerwünschten Modelle vor dem Entsorgen in der Hausmülltonne stehen. So erhalten die Schuhe weitere Nutzungsmöglichkeiten, ihre Lebensdauer verlängert sich.

Schuhe richtig entsorgen

Wer sich von seinen alten Schuhen trennen will oder muss, der hat heute im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

  1. Verkauf /Weitergabe an andere Personen/Spende, wenn die Schuhe noch intakt und sauber sind
  2. Altkleidersammlung/Schuhcontainer
  3. Hausmüll

Punkt 1 ist deshalb aufgeführt, weil diese Option häufig genutzt wird, gerade bei hochwertigen und teuren Markenschuhen oder wenn die Schuhe noch sehr gut in Schuss sind und einen Spendenzweck erfüllen können.

Die Altkleidersammlung zeigt sich in Deutschland mit Containern oder persönlichen Sammel-Aktionen von verschiedenen Organisationen oder Einrichtungen. Eine endgültige Entsorgung ist das noch nicht, denn die gesammelten Schuhe und Kleider können unterschiedlichen Weiterverwendungszwecken zugeführt werden, z.B. Kleiderspenden für Bedürftige (Kleiderkammern der Kommune oder Gemeinde), Abgabe in arme Drittländer, Verkauf als Second-Hand-Ware oder an spezialisierte Recyclingunternehmen, die neue Rohstoffe aus den alten Kleidern und Schuhen gewinnen.

Das gezielte Recycling von Schuhen und Altkleidern nimmt durch die Zunahme von spezialisierten Unternehmen in naher Zukunft einen noch höheren Stellenwert ein, denn diese bauen ihre Zusammenarbeit in vielen Ländern mit dem stationären Einzelhandel für Textilien und Schuhwerk aus und stellen dort Sammelcontainer auf.

Die bisher noch vorherrschenden Mischsysteme erziehen den Verbraucher zu einer klaren Verhaltensweise, in dem meist darauf hingewiesen wird, dass nur intakte und saubere Schuhe paarweise in die Container dürfen. Natürlich wissen die Sammelstellen, dass sich nicht alle daran halten und sortieren daher noch einmal aus, was auch die Mischsysteme aus Weiterverwendung und Verwertung begründet. Demzufolge und aus Verbraucher-Bequemlichkeit landen immer noch viel zu viele Schuhe im Restmüll und gelangen so nicht in den Recyclingkreislauf, sondern in die Müllverbrennung.

Schuhrecyling: Wie sieht die Wiederverwertbarkeit von Schuhen aus?

Altkleider- und Schuhrecycling ist aufwendig und entsprechend teuer. Denn ein Schuh besteht aus vielen unterschiedliche Materialien, die kombiniert sind: Metall, Textilfasern, Gummi, Kunststoff, Naturmaterialien. Dazu braucht es intelligente Maschinen, welche die unterschiedlichen Materialien trennen und einer Weiterverwertung zuführen. In Deutschland hat das Unternehmen Soex aus Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern eine einzigartige Schuhrecyclinganlage geschaffen, die den Anforderungen an effizientes Schuhrecycling gerecht wird. Schuhe können hier in ihre Materialteile aufgespalten und wertvolle Sekundärrohstoffe gewonnen werden.

Schuhrecycling fängt schon beim Kauf an, weshalb wiederverwertbare und organische Materialien im Fokus stehen. Das Problem ist nur, dass Schuhe nach wie vor aus einer Reihe von Materialien bestehen, von denen sich ein Teil sehr gut, der andere hingegen weniger bis überhaupt nicht recyceln lässt, da es dazu noch ausgereiftere Maschinen bräuchte. Auch die Recyclingstoffe, die aus Schuhen gewonnen werden, benötigen einen weitaus größeren Absatz- und Verwendungsmarkt.

Daher können wir als Verbraucher nur unser Bestes zum Schuhrecycling beitragen und das bedeutet: Die Lebensdauer von Schuhen verlängern und Schuhe weitestgehend über Sammelcontainer und nicht über den Hausmüll entsorgen.

Zum Schluss: Upcycling als kreative Schuhkunst zum Schmunzeln und Nachdenken

Eine alternative Möglichkeit, um die Lebensdauer von Schuhen in einem anderen funktionalen Kontext zu verlängern, ist das kreative Upcycling der betreffenden Modelle. Bekannte Beispiele sind bepflanzte Schuhe, High Heels aus denen Schmuckkästchen werden oder die Gummistiefel als ausgefallenes Behältnis für dekorative Trockenpflanzen.

Der Pariser Künstler Christophe Guinet hat seine alten Lieblingssneaker von Nike in florale Naturkunstwerke mit unterschwelliger Konsumkritik verwandelt. Unter dem Titel „Just Grow it“, in Anlehnung an den Werbeslogan der Schuhmarke, entstand ein Kunstprojekt, das sich mit dem Konsumverhalten, der Nachhaltigkeit und der Wiederverwertung gleichermaßen befasst. Die getragenen Schuhe wurden mit Blätter, Samen, Erde, Pflanzenbestandteilen, Zweigen bestückt, um ihnen natürliches Leben einzuhauchen. Jede Variation hat dabei eine eigene Message, die der Betrachter interpretieren darf. Bei allen herrscht eine Botschaft vor: Die Natur wird triumphieren.

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