Soweit die Designer-Stiefel tragen …

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Jeder von uns hat sie vielleicht schon erlebt: Kuriose Schuh-Geschichten, von denen man auch noch Jahre danach gerne erzählt und gemeinsam mit Freunden und Bekannten schmunzelt. In loser Folge erzähle ich hier von eigenen und fremden Schuh-Geschichten, die manchmal haarsträubend witzig, zum lachen weinend oder einfach nur kurios sind. Hier nun die erste Schuh-Geschichte, die sich tatsächlich so zugetragen hat.

Ich bin von Kindesbeinen an ein großer Romy Schneider-Fan und das bezieht sich nicht ausschließlich auf die Sissi-Filme, obwohl auch ich dadurch zu einer begeisterten Anhängerin der großen deutschen Schauspielerin geworden bin. Vielmehr faszinieren mich die Schönheit und die Wandlungsfähigkeit dieser Person und ich verfolge noch heute neu auftauchende Fotos der Künstlerin. Ich liebe den Stil und die Kleidung und auch die Schuhe, die Romy Schneider zu Lebzeiten trug, haben es mir angetan. So entdeckte ich vor Jahren in einem Online-Auktionshaus ein Paar Aigner-Stiefel und zwar nicht irgendwelche Aigner-Stiefel, sondern genau solche wie sie Romy Schneider Ende der 1970er Jahre gerne getragen hat und dazu auch noch aus diesem Jahrzehnt. Sie waren kniehoch und hatten einen Megaabsatz von ca. 10 cm. Von der Art her würde ich sagen: Bohemian-Westernstiefel. Ich selbst trage Größe 37 und das, was ich damals getan habe, davon rate ich grundsätzlich ab, aber die Leidenschaft für genau diese Stiefel war es mir wert: Die Stiefel wurden nur in der Größe 39 angeboten und damit vorne und hinten, wie man so schön sagt, für mich viel zu groß. Der Schaft reichte mir bis an die Oberschenkel und es waren zwei dicke Paar Socken notwendig, um nicht in den Schuhen zu schwimmen. Aber ich musste sie haben! Den Schaft habe ich dann umgekrempelt, so dass es noch stylisch aussah.

Die Nacht der Nächte oder: Wie ich mich von meinen Designer-Stiefeln verabschieden durfte

Es war einer dieser angenehmen Frühherbstabende, genau gesagt ein Samstagabend, an dem ich wie jedes Wochenende mit meinem besten Freund verabredet war. Er wohnte ca. 30 km vom mir entfernt und ich fuhr mit dem Zug, denn man weiß ja nie, ob man nicht doch ein gutes Tröpfchen oder einen Cocktail genießen möchte. Wir wollten in unseren Lieblingsclub in die größere Stadt. Mein bester Freund wohnte ca. 10 km von der Stadt entfernt und stieg an seinem Wohnort in den Zug ein.

Ich trug voller Stolz an diesem Abend meine „neuen“ Aigner-Stiefel. Ich muss dazu sagen, zu dieser Zeit hatte ich sie noch nicht lange, vielleicht drei Wochen. Unser Club machte immer erst nach Mitternacht auf und eigentlich war es jedes Mal super, so dass wir nie vor 5.00 oder 6.00 Uhr morgens den Heimweg antraten. Bis auf diese Nacht. Wir kamen an, es war proppenvoll und irgendwie fehlte aber trotzdem die sonst so geniale Stimmung. Nach knapp zwei Stunden Unwohlsein, Gedränge und miserabler Musik entschlossen wir uns, den Laden zu verlassen. Da schlug die Uhr so ca. 2.00 Uhr nachts und außer den Großraumdiskotheken, auf die wir aber keine Lust hatten, waren schon alle interessanten Kneipen und Bars geschlossen. Wir machten uns dann Richtung Bahnhof auf, um in den 10 km entfernten Ort, in dem mein bester Freund wohnte, zurückzufahren. Ich wollte dort übernachten. Leider war auch das die totale Fehlanzeige, denn der nächste Zug in diese Richtung fuhr erst gegen 6.00 Uhr früh. So blieb dann nur noch die Entscheidung, den 10 km langen Fußmarsch anzutreten, entlang der schönen Mosel. Wie das Schicksal so spielt, setzte ein unangenehm feuchter Regen ein, der nicht mehr enden wollte. Der Weg am Flussufer war zwar in Teilen asphaltiert, aber er führte auch durch Wiesengebiet und das mit den „neuen“, hohen Aigner-Stiefeln aus echtem Leder, die ich natürlich vorher nicht extra imprägniert hatte.

Abgesehen von den höllischen Schmerzen, die ich nach gefühlten 100 km Fußweg bis in den Ort meines besten Freundes empfand, zeigte sich das wahre Ausmaß der Katastrophe dann bei hellem Licht. Die herrlichen Aigner-Stiefel waren kaum mehr wiederzuerkennen, durchnässt bis auf den Kern, voller Schlamm und Wiese.

Die Moral von der Geschicht

lautet: „Trage niemals die wertvollen, heißgeliebten Designerstiefel, wenn Du Dich in eine Nacht begibst, von der Du nicht weißt, wie sie ausgeht und laufe lieber barfuss über Stock, Stein, Wiese und durch Schlamm, als Dir die Designerstiefel zu ruinieren“. Warum ich das nicht getan habe? Es war dunkel und das Ausmaß der Katastrophe zeigte sich erst im Licht so richtig. Vielleicht hab ich auch einfach nur nicht dran gedacht oder so …

Fazit ist, ich habe diese Damenstiefel nie mehr richtig trocken bekommen, geschweige denn, den Schmutz entfernen können. Daher musste ich sie schweren Herzens entsorgen. Gefunden habe ich diese genialen, wenn auch zu großen, Treterchen kein zweites Mal.

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