Schuhe als Kulturgut und Brauchtumsstifter

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Schuhe beschäftigen die Menschheit seit ihrer Erfindung, funktional wie praktisch, aber auch als Kulturgut haben sie einen hohen Stellenwert. Weltweit werden Brauchtumsrituale rund um den Schuh gepflegt, darunter auch einige skurrile und kuriose Gepflogenheiten. In zahlreichen deutschen Redensarten und Sprichwörtern ist der Schuhe in Metaphern gekleidet und auch die wunderbare Welt der Märchen will auf den Schuh als Gestaltungsmittel nicht verzichten.

So tauchen wir heute ein in die facettenreiche Kulturlandschaft, die sich rund um den Schuh dreht und dabei höchst amüsant ist. Viel Spaß beim Lesen, Schmunzeln und Inspirieren lassen!

Schuhe in Redensarten, Weisheiten und Sprichwörtern

In vielen häufig gebrauchten Redewendungen und Sprichwörtern stehen Schuhe im Mittelpunkt und vermitteln eine Botschaft im übertragenen Sinn:

  • Jemandem die Schuld in die Schuhe schieben – Schuld/Verantwortung bewusst von sich weisen und sie auf einen anderen abwälzen
  • Aus den Latschen/Schuhen kippen – Erstaunt, überwältigt sein oder auch physisch zusammenklappen, ohnmächtig werden
  • Umgekehrt wird ein Schuh draus – Etwas verhält sich genau umgekehrt oder muss andersrum angegangen werden
  • Das steckt noch in den Kinderschuhen – Etwas befindet sich in der Anfangs- oder Entwicklungsphase, ist noch nicht ausgereift oder spruchreif
  • Wo drückt der Schuh – Fragestellung nach einem Problem
  • Neben den Schuhen stehen – Nicht richtig bei der Sache, unkonzentriert sein
  • Sich einen Schuh nicht anziehen – Die Verantwortung für etwas ablehnen
  • Schuster haben die schlechtesten Schuhe – Sich selbst oder seine Bedürfnisse zugunsten anderer Dinge/Menschen/Aktivitäten vernachlässigen
  • Schuster, bleib´ bei deinen Leisten – Man soll das tun, wovon man wirklich etwas versteht
  • Auf Schusters Rappen – Zu Fuß unterwegs sein, wandern, ferne Ziele per pedes erreichen oder erkunden
  • Über einen Leisten schlagen – Alles mit gleichem Maß messen
  • Vom Leder ziehen – Über andere tratschen, herziehen, schlecht reden
  • Du kannst mir mal den Schuh aufblasen – Frei nach Götz von Berlichingen oder Du kannst mir den Buckel herunterrutschen
  • Fit wie ein Turnschuh sein – Vor Energie nur so strotzen
  • Ein Pantoffelheld sein oder unter dem Pantoffel stehen – sich von anderen bevormunden, kommandieren lassen, keine eigene Meinung haben
  • Das sind zwei Paar Schuhe – Drückt Verschiedenartigkeit aus
  • Seinen Stiefel durchziehen – Sein Ding machen, auch ohne Rücksicht auf andere
  • Wenn es einem die Schuhe auszieht – Von etwas erschlagen, überwältigt, überrascht sein
  • In den eigenen Schuhen laufen – Sich auf seine Sache konzentrieren
  • Jeder muss ein Paar Narrenschuhe zerreißen – Erfahrungen machen, auch wenn diese teuer oder bitter sind, um daraus zu lernen
  • In einem zu großen Schuh stolpert man – Sich Dinge oder Ziele vornehmen, die für einen zu groß oder unerreichbar sind, sich übernehmen/überfordern

Schuhe im Märchen

Schuhe können im Märchen ganz unterschiedliche Formen annehmen, z.B. den glamourösen Pump, die zauberhaften Ballerinas oder imposante Stiefel. Sie sind Zaubermittel, Wahrheitsfinder oder werden zum schicksalhaften Verhängnis. Märchen wie „Der gestiefelte Kater“ oder „Die Siebenmeilenstiefel“ nutzen den Schuh symbolhaft als Schlüssel zur finanziellen und materiellen Freiheit, der alle Wege und Hindernisse überwinden lässt.

Das wohl beliebteste Schuhmärchen zeigt sich mit „Aschenputtel“, in dem der Schuh die finale Schlüsselrolle für Glück und Erlösung spielt. Im Märchen „Die Roten Schuhe“ gibt es kein Happy End. Es erzählt von einem Mädchen, das förmlich süchtig nach einem Paar roten Schuhe wird und sich für diese über alle Ver- und Gebote hinwegsetzt. Die Strafe folgt auf den Fuß. Nach einem besonderen Ereignis kann es die Schuhe nicht mehr ausziehen, muss Tag und Nacht darin tanzen, bis ihm schließlich die Füße abgehackt werden, wobei selbst dann die Schuhe noch weiter tanzen. „Die zertanzten Schuhe“ von zwölf Prinzessinnen, die sich jeden Morgen aufs Neue vorfinden, rufen den Königsvater auf einen ausgeklügelten Plan, um das Rätsel zu lösen.

Der Schuh in Film- und TV-Klassikern

Berühmte oder bekannte Filme, die den Schuh gleich im Titel führen, sind z.B.:

  • Die roten Schuhe (Amerika, 1948)
  • Der gläserne Pantoffel (Amerika, 1955)
  • Der große Blonde mit dem Schwarzen Schuh (Frankreich, 1972)
  • Roller Blade (Amerika, 1986)
  • Der Schuh des Manitou (Deutschland, 2001))
  • In den Schuhen meiner Schwester (Amerika, 2005)

Doch auch innerhalb der Handlung können die von den Schauspielern getragenen Schuhe eine wirklich tragende Rolle erhalten, zum modischen Trend oder Kult avancieren.

Machen wir den Anfang mit dem Großmeister der Satire, des schwarzen Humors und der Comedy: Charlie Chaplin. Er hat Zeichen mit seinen Vagabunden-Schuhen gesetzt, die den Charakter seiner filmischen Figuren, auch im Verhältnis zu seiner kleinen Statur, wesentlich unterstrichen haben. Im Stummfilmklassiker „Goldrausch (1925)“ isst er aus verzweifeltem Hunger seinen rechten Schuh in geistiger Umnachtung auf. Zuvor wird dieser noch gekocht, tranchiert und die Schnürsenkel als Spaghetti-Beilage akkurat um die Gabel gewickelt.

„Der Zauberer von Oz“ gehört zu den größten Filmhits aller Zeiten und zieht in seiner Originalversion, die von anfänglich trüben Schwarzweißszenen auf ein faszinierend buntes Farbuniversum wechselt, jeden in den Bann. Die roten paillettenbesetzten Pumps, die Judy Garland beim Eintritt in das Wunderland an die Füße gezaubert bekommt, gelten als bedeutende Filmrequisiten Hollywoods. Allerdings soll das Originalpaar seit 2005 verschwunden sein – gestohlen aus dem Judy Garland Museum, wo es als Leihgabe eines Privatsammlers ausgestellt war. Zum Glück wurden mehrere Exemplare des Schuhmodells angefertigt, was bei Dreharbeiten gar nicht unüblich ist. Während eines dieser Modelle für 600.000 Euro versteigert wurde, ist ein anderes im National Museum of American History zu bestaunen. Das Museum sammelt Spenden, um die Schuhe in ihrem Originalzustand erhalten zu können, die letzte Restauration schlug mit über 270.000 Euro zu Buche.

Der Film über Facebook-Gründer Mark Zuckerberg – The Social Netwerk (2010) – brachte die Aldilette als businesstauglichen Cool-Schuh ganz groß raus. Mit der Soap „Sex and The City“ erreichte die „Werbung“ für Designer High Heels eine neue Ära und Damenklientel. Schuhe von Manolo Blank und Christian Louboutin avancierten praktisch über Nacht zum neuen Verkaufsschlager für „Normalverdienerfrauen“, die sich solche Schuhe eigentlich niemals leisten könnten. Dafür wurde dann auch schon mal das Auto oder die neue Küche verkauft.

Traditionen, Bräuche und Gepflogenheiten rund um den Schuh

Mit Schuhen wird so allerhand angestellt, sie sind also nicht nur zum Tragen da. Der Schuh ist Bestandteil von unterschiedlichsten Bräuchen, länderspezifischen oder regionalen Traditionen, es finden sich sportliche Schuhdisziplinen und Auszeichnungen mit dem Schuh als Symbol. Hier ein amüsanter Überblick.

Schuhbräuche zu Weihnachten/Neujahr

Der Schuh und die (Vor)Weihnachtszeit – Das gehört einfach zusammen. Ob Stiefel oder Pantoffeln ist nur eine Frage der jeweiligen Landestradition. In Deutschland wird der Nikolausstiefel am Vorabend oder Abend des Nikolaustages vor die Tür gestellt, um ihn am nächsten Tag mit Süßigkeiten gefüllt, vorzufinden.

In Vietnam wird dieser Brauch, wenn auch mit beliebigen Schuhen der Kinder, an Heiligabend zelebriert, die Schuhe müssen dazu blitzblank sein, schmutzige Schuhe sind dem Weihnachtsmann ein Graus. Die Schuhreinigung ist auch teilweise in Bolivien verbreitet, hier dienen Schuhe oder Stiefel allerdings zum Verstauen des Wunschzettels. Die Geschenke kommen unter die Krippe.

In Frankreich erfolgt die Bescherung am Weihnachtsabend durch Père Noël, wenn die Familie in der Mitternachtsmesse weilt. Die kleinen Geschenke finden ihren Platz in den Kinderschuhen, die zuvor vor der Wohnzimmertür oder dem Kamin aufgestellt wurden. In Estland stellen die Kinder ihre Hausschuhe in der Adventszeit auf das Fensterbrett und freuen sich wenn diese von den Weihnachtselfen oder Gnomen mit Süßigkeiten bestückt werden.

In zahlreichen Ländern findet die Bescherung am Tag der Heiligen Drei Könige am 6. Januar statt. In Italien ist dafür die Hexe Befana zuständig, die auf ihrem Besen durch die Städte fliegt, einmal durch jeden Hauskamin wirbelt und die Geschenke in die bereitgestellten Kinderschuhe legt.

Hochzeitsbräuche mit Brautschuh und Co.

Der Brautschuh wird gerne mit verschiedensten Utensilien bestückt, damit er Geld und Glück bringt oder er ist die Hauptfigur traditioneller Hochzeitspiele.

Ein Brauch, der im Zeitalter des Internet-Shoppings immer weniger praktiziert wird, ist die Bezahlung des Brautschuhs in Pfennigen oder Cents. Früher musste eine Frau noch lange auf ihre Brautschuhe sparen. Dann ging sie mit ihrem prall gefüllten Münzbeutel zum Schuhmacher und zahlte in nahezu unzähligen Pfennigen. Damit wollte sie auch ihrem zukünftigen Mann Sparsamkeit beweisen.

Zu den beliebtesten Hochzeitsspielen gehört die Brautschuhversteigerung, die neben dem Spaß auch noch Geld in die Haushaltskasse spült. Interessierte geben ein Gebot ab und  zahlen direkt, dann geht die Versteigerung im gleichen Stil weiter, bis niemand mehr bieten will. Das Geld darf das Brautpaar behalten, der Meistbietende hingegen gibt den Schuh wieder an die Braut zurück. Eine andere Variante ist das Stehlen des Brautschuhs, das bei der Feier anwesende Kinder übernehmen. Sie kriechen unter den Tisch und ziehen den linken Brautschuh ab, mit dem sie dann für das Brautpaar reihum sammeln gehen.

Ums Geld geht es auch bei dem Hochzeitsbrauch Geld im Schuh. Legt sich die Braut am Tag der Hochzeit eine Münze in den Brautschuh und behält sie den ganzen Tag darin, wird sie nie mehr von Geldsorgen geplagt sein.

In Norddeutschland ist es alter Brauch, dass am Polterabend die Schuhe der Braut an einen Baum festgenagelt und dem Bräutigam die Hosen ausgezogen und verbrannt werden. Somit sollen beide daran gehindert werden, noch vor der Hochzeit davonzulaufen. Die Asche der Hose wird anschließend mit einer Flasche Hochprozentigem vergraben und ein Jahr darauf wieder ausgebuddelt, um sie gemeinsam mit den Gästen des Polterabend zu leeren.

In Ländern wie Polen, Tschechien und der Slowakei hat die Andreasnacht (30. November) eine ganz besondere Bedeutung für unverheiratete Frauen oder Mädchen. Der hl. Andreas ist der Schutzpatron der Liebenden und der Ehe. Mit dem „Pantoffel werfen“ in der Andreasnacht können Frauen herausfinden, ob sie bald heiraten werden. Mit dem Rücken zu einer Tür gewandt, wirft die Frau ihren linken Pantoffel über die Schulter. Zeigt die Spitze des Schuhs zur Tür, ist noch im gleichen Jahr mit der Hochzeit zu rechnen. In Polen werden die Schuhe mehrerer Mädchen oder Frauen hintereinander bis zur Tür aufgestellt. Der Schuh, der als letzter in der Reihe die Tür berührt, gibt Aufschluss über die nächste Braut.

Champagner aus Schuhen trinken

Dass nach einem grandiosen Sieg im Motorsport, z.B. in der Formel 1, die Korken knallen, ist selbstverständlich. Mitunter sieht man dann auch, dass der Sieger den Champagner aus seinen eigenen Schuhen schlürft, so wie es Daniel Ricciardio nach seinem Formel-1-Sieg in Malaysia 2016 gemacht hat. Das hat er sich von seinem Freund, dem Australier Jack Miller, abgeschaut, denn im Land der Kängurus soll diese Sitte, die als „Shoey“ bezeichnet wird, durch eine Gruppe lebenslustiger Fischer und Surfer entstanden sein. Nach und nach lässt sich das Ritual in immer mehr Sportdisziplinen zur Siegerehrung beobachten, auch wenn es vielleicht zunächst ein wenig Überwindung kosten mag …

Champagner aus Schuhen zu trinken und zwar aus High Heels, hat auch einen großen erotischen Reiz und wird gerne in der Schuhfetisch-Szene, aber auch im privaten Schlafzimmer oder in den Liebestempeln praktiziert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses Ritual von reichen Herren mit einer besonderen Leidenschaft für weibliches Schuhwerk und Schampus in ihren Kreisen eingeführt. Das galt damals natürlich als absolut unmoralisch und verwerflich.

Dieses erotische Ritual hat niemand geringerer als Christian Louboutin 2009 gekonnt in Szene gesetzt und ein mundgeblasenes Champagnerglas in High Heels Form auf den Markt gebracht, das für Furore sorgte. Gefertigt wurde das raffinierte Stück aus schwarzem Kristallglas, das wie echtes Lackleder anmutet und mit dem lustvollen Rot als Markenfarbe des Labels für die Schuhsohle und das Innere des kleinen Kunstwerks aufwartet. Wer sich den dekadenten Genuss nicht entgehen lassen möchte, kann den gläsernen Prachtschuh mit ein wenig Glück noch auf Online-Marktplätzen wie Amazon erhaschen. Das Original kam seinerzeit als Set mit einer Flasche Heidsieck-Champagner in einer edlen Kassette heraus. Aber auch die um das zehnfache günstigere Vicrylversion ist im Online-Handel noch verfügbar.

Verrückte Straßenkunst – Shoefiti und Shoetree

Schaut her, da baumeln Schuhe in der Luft – Paarweise hängen sie an Leinen, Kabeln, in Ästen, an Brücken und sogar Ampeln. Dieses Phänomen der Straßenkunst mit Namen „Shoefiti“ (Shoe + Graffiti) hat sich zu einem neuen „Brauch“ entwickelt und weltweit seine Anhänger gefunden. Die deutsche Shoefiti-Hochburg ist Flensburg mit der mittlerweile berühmten Norderstraße, in der seit 2005 alte Sneaker und andere Schuhmodelle als Sehenswürdigkeit der Stadt zu bestaunen sind.

Zur Entstehung von Shoefiti gibt es sehr unterschiedliche Geschichten, das Ergebnis bleibt aber immer ein zufälliges, denn die zusammengebunden Schuhe werden in der Regel in die Luft geworfen, um dann für die Ewigkeit an oder in etwas hängen zu bleiben. Vermutlich ist der Brauch an die amerikanischen Schuhbäume angelehnt, die sich in den 1990er-Jahren entwickelt haben. Hier wird bewusst ein Baum an einer Landstraße ausgesucht, dessen Äste und Zweige sich mit alten Schuhen füllen. Vorgemacht haben das u.a. Studenten, die mit diesem Ritual ihren Abschluss feierten wie auch Soldaten, um ein Statement zu setzen.

Auch amerikanische Straßengangs sollen früher ihre Gebiete mit hängenden Schuhen markiert haben. Und dann gibt es noch die Erzählungen, dass schottische Männer ihre Schuhe ins Fenster hängen, wenn sie ihre Unschuld verloren haben. In Flensburg steht eine eigene Geschichte hinter den baumelnden Schuhen – Initiiert wurde diese Aktion vom Besitzer eines Schuhladens, der einen gebührenden Platz für die Entsorgung der alten Sneaker seiner Kunden suchte und fand.

Geheimnisvoller Brauch: Eingemauerte Schuhe in alten Gebäuden

Was es genau mit diesem Phänomen auf sich hat, kann bis heute keiner sagen. Die deutsche Bauforscherin Kristin Dohmen aus Nordrhein-Westfalen wurde durch verschiedene Funde im gesamten Rheinland auf das anscheinende Gesetz der Serie aufmerksam. In mittelalterlichen Fachwerkhäusern wie auch in Schlössern und Burgen tauchten bei Sanierungs- und Renovierungsarbeiten plötzlich alte getragene Schuhe auf, meist einzelne Schuhexemplare von Männern, Frauen und Kindern. Entweder waren sie eingemauert oder unter dem Fachwerkholz versteckt. Es blieb nicht bei den kuriosen Funden im Rheinland, auch in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland oder Niederbayern tauchten die alten Schuhe auf, selbst aus England und Tirol wurden Schuhfunde in alten Gebäuden gemeldet.

Alle Schuhe ließen aufgrund des Fundortes darauf hindeuten, dass sie nicht einfach so dort gelandet, sondern bewusst und für die Ewigkeit versteckt werden sollten. Das Alter der Schuhe kann mitunter sehr gut bestimmt werden, der älteste Schuh stammt aus dem englischen Winchester und wurde hinter dem Chorgestühl der Kathedrale entdeckt. Insgesamt konnte man bisher 1.000 Schuhe in ganz Europa registrieren. Über den Hintergrund ist wenig bekannt, vermutliche handelte es sich um ein abergläubisches Ritual, mit dem böse Geister und Mächte nach einem Umbau ferngehalten werden sollten. Die gefunden Schuhe werden konserviert und es ist nicht ausgeschlossen, dass sich hin und wieder bei Umbauten und Sanierungen weitere Relikte dieses uralten aber vergessenen Brauchtums finden.

Gummistiefelweitwurf – Sportliche Traditionsdisziplin

Diese besondere Disziplin ist keine neue Erfindung, sondern geht vermutlich auf finnische Seeleute zurück, welche das besondere Spiel wohl Ende des 19. Jahrhundert ins Leben gerufen haben. Allerdings brauchte es einige Jahrzehnte mehr, bis sich das kuriose Wurfspiel als kultiger und offizieller Mannschaftssport in Finnland etablierte. Seit 1972 fliegen hier, aber auch in Schweden, Russland und Estland die robusten Treterchen um die Wette.

Der Gummistiefelweitwurf ist heute ein sportlicher Wettkampf mit eigenem Weltverband und der Austragung von jährlichen Weltmeisterschaften seit 1992. Im Jahre 2005 stand erstmals eine deutsche Teilnehmerin auf den Siegertreppchen, 2007 wurde die Weltmeisterschaft sogar in Deutschland ausgetragen. Hier gibt es mittlerweile mehrere Vereine für den Gummistiefelweitwurf.

Beim Gummistiefelweitwurf kommt es entscheidend auf die richtige Wurftechnik mit perfektem Einstellwinkel für Rotation und Drehungen an. Der Weltrekord-Wurfwert liegt aktuell bei 68,03 m (Männer) bzw. 49,35 m (Frauen).

Schuhplattler – Traditionstanz im östlichen Alpenraum

Das Schuhplatteln (Schuhschlagen) ist ein altehrwürdiger Schautanz, dessen Ursprünge in Oberbayern, Tirol und Salzburg liegen. Dieser Tanz wird ausschließlich von Männern und als Gruppentanz zu traditionellen Festen aufgeführt. Eine Abfolge von Klopfen auf Oberschenkel, Knie und Fußsohle in hüpfender Bewegung zu Volksmusik im Dreivierteltakt kennzeichnet das Schuhplatteln. Meist werden dabei auch Laute in Dialekt ausgestoßen und die Hüte in die Luft geworfen. In alten Versionen tanzen die Burschen zum Abschluss eine Runde Walzer mit ihrem Mädchen, das je nach Tradition auch während des „Plattelns“ um den Liebsten tänzelt.

Der Goldene Schuh im Fußball

Beim „Goldenen Schuh“ handelt es sich um eine Auszeichnung für Europas beste Torschützen im Fußball. Der Preis in Form eines goldenen Fußballschuhs wird jährlich an den erfolgreichsten Torschützen der Saison vergeben. Er kommt ausschließlich für Spieler der jeweils höchsten Spielklassen der UEFA-Mitgliedsverbände in Frage. Der erste Titelträger war in der Saison 1967/68 der Portugiese Eusebio. Gerd Müller sicherte sich den goldenen Schuh 1971/72. Weitere weltberühmte Spieler wie Ronaldo, Fernando Gomes und Lionel Messi sind stolzer Besitzer der Trophäe.

Die Handwerkskunst des Strohschuhmachens

Im Schwarzwald praktiziert man bis heute das traditionelle Handwerk der Strohschuhherstellung, das von den Bauern überliefert ist. Strohschuhe wurden früher, vornehmlich von den Bäuerinnen, als wärmende Hausschuhe für die Wintermonate gefertigt. Ausgangsmaterial für diese besonderen Pantoffeln ist bis heute Roggen- oder Maisstroh, das nach einem aufwendigen Weichprozeß weiterverarbeitet werden kann. Strohschuhe sind auch als „Hexenschuhe“ bekannt und werden gerne von Narrenzünften für Umzüge bei den „Strohschuhmachern“ bestellt. Viele Freunde des natürlichen Schuhwerks haben den ausschließlich von Hand mit natürlichen Materialien gefertigten Strohschuh wieder für sich entdeckt.

Andere Länder, andere Schuhe

Je nach kulturellem Hintergrund, den Wetter- und Lebensbedingungen finden sich weltweit länderspezifische Schuhe. Die spanischen Espadrilles sowie die schwedischen oder holländischen Holzclogs kommen den meisten hier als erstes in den Sinn. Doch es gibt noch weitaus mehr Schuhmodelle, die in ihrem Land eine lange Tradition haben.

In Japan sind Zori und Holz-Geta, die gemeinhin auch als Ninja-Schuhe bezeichnet werden, traditionelles Schuhwerk. Bei den Zori handelt es sich um eine Zehentrenner-Sandale mit durchgehender Sohle aus Gras oder Kunststoff und mit Riemen, die V-förmig angeordnet sind. Diese Schuhe werden traditionell zu Kimono oder Yakuta getragen, auch im Kampfsport oder als bequeme Hausschuhe haben sie einen hohen Stellenwert. Geta-Schuhe, ebenfalls Zehentrenner mit V-Riemen, sind aus Holz gefertigt. Die Sohle ist eingeschnitten und mit zwei kleinen Stelzen versehen. In Zori und Tabi werden zu offiziellen Anlässen spezielle Socken (Tabi) getragen.

Aus Marokko kommen die zauberhaften „Babouches“. Die flachen, spitzen Lederpantoletten werden im Orient als Hausschuhe getragen. Sie können mit aufwendigen Stickereien oder Schmuckperlen verziert sein. Wie ein Märchen aus 1001 Nacht muten auch die indischen „Khussa“ aus Leder an. Das sind flache Pantoletten, die in ihrem Design an Schnabelschuhe oder Aladin-Schuhe erinnern und prachtvolle Details aufweisen. Eine Spezialität aus Amerika findet sich mit den so genannten „Saddle Shoes“. Kennzeichnend ist die Satteloptik der Oxford-oder Derbyschuhe, die in den 1950er Jahren als Collegeschuhe die Welt der Teenies eroberten und von jungen Frauen und Männern mit Socken getragen wurden.

Schuh-Sitten in Japan

In Japan gelten besonders strenge Benimm-Regeln, auf die auch Touristen ausdrücklich hingewiesen werden. Und da spielen Schuhe im Zusammengang mit der Hygiene eine zentrale Rolle. Straßenschuhe werden vor dem Betreten von Tempeln, traditionellen japanischen Hotels oder Restaurants, Schulen, Arztpraxen und privaten Räumlichkeiten ausgezogen. Meist stehen Pantoffeln in Unisex-Größen bereit. Ist der Raum mit Tatami-Matten ausgelegt, darf er nur mit Socken oder barfuß betreten werden. Generell sollte darauf geachtet werden, dass die Socken sauber und ohne Löcher sind. Für öffentliche und private Toiletten gilt eine spezielle Regelung. Hier finden sich eigens für diese Örtlichkeit Pantoffeln, die vor dem Betreten an und beim Verlassen des Raumes auszuziehen sind.

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